Call for Papers für die 5. Ausgabe der Zeitschrift Quaderna (quaderna.org)
Linguizismus und Sprachenimages
Hg. v. Graciela Villanueva und Iván Jiménez
Die fünfte Ausgabe der transdisziplinären und mehrsprachigen Zeitschrift Quaderna ist dem Thema ‚Linguizismus und Sprachenimages‘ gewidmet. Interessierte Wissenschaftler aus den Bereichen Literaturwissenschaft, Kulturwissenschaft, Philosophie, Geschichte, Linguistik, Didaktik usw. sind hiermit eingeladen, Vorschläge für dieses Anfang 2020 erscheinende Heft einzureichen. Die Beiträge sollten germanistische, romanistische, anglistische oder komparatistische Themen behandeln und können wahlweise auf Deutsch, Französisch, Englisch, Spanisch oder Italienisch verfasst werden.
Thematischer Rahmen
Obwohl das Gesetz (in Frankreich wie in anderen Ländern) verschiedene Formen der Diskriminierung definiert und unter Strafe stellt, werden Diskriminierung sprachlicher Praktiken oft von den Gesetzestexten wenig beachtet, vergessen oder ignoriert. Der Begriff ‚Linguizismus‘ bezieht sich speziell auf solche Diskriminierungen sprachlicher Art. Philippe Blanchet (Discriminations: combattre la glottophobie,2016) definiert das französische Äquivalent ‚glottophobie‘ als „die Beleidigung, Anfeindung, Aggression, Ablehnung, Exklusion von Personen, eine Form negativer Diskriminierung, die auf der realen oder behaupteten Tatsache beruht, dass gewisse Sprachformen (Sprachen, Dialekte oder ein bestimmter Sprachgebrauch), die von diesen Personen verwendet werden, als falsch, mangelhaft oder minderwertig beurteilt werden, in der Regel unter direkter Bezugnahme auf diese sprachlichen Aspekte (oft ohne das Bewusstsein für die möglichen Auswirkungen dieses Verhaltens auf die betroffenen Personen)“.
Wie Fremdenfeindlichkeit, Homophobie oder Islamfeindlichkeit beschränkt sich der Linguizismus nicht auf die Ablehnung eines bestimmten (tatsächlichen oder vermeintlichen) Merkmals, sondern bedeutet letztlich eine Ablehnung der gesamten Person. Der betroffene Mensch wird nicht nur deshalb abgelehnt, weil er eine bestimmte Sprache statt einer anderen spricht (also nicht das Idiom, das man wertschätzt, erwartet oder fordert), sondern weil er innerhalb einer bestimmten Sprache eine Varietät (Akzente, Sprechweisen, Schreibstile, Vokabular, Register usw.) benutzt, die als minderwertig oder falsch angesehen wird. Mehrsprachigkeit und sprachliche Pluralität wird vom Linguizismus nicht als Zeichen der Vitalität und des Reichtums der Lebenswelt und der Gesellschaft betrachtet, sondern geleugnet, verachtet und bekämpft.
Der Begriff ‚Linguizismus‘ erfordert ein Nachdenken über sprachliche und kulturelle Images aus postkolonialer oder dekolonialer Perspektive. Postkoloniales Denken wird in diesem Zusammenhang als der Wille verstanden, „sich einer Polarisierung zu entziehen, die der Kolonialdoktrin inhärent und für sie notwendig ist: der Polarisierung von Macht versusGegenmacht der Ursprünge“, wodurch die “Gegensatzpaare im historischen, künstlerischen und politischen Bereich” hinterfragt werden. Damit ist gemeint, dass jede Art von Diskurs hinterfragt wird, der auf “einer geografischen oder ideologischen Territorialisierung“ beruht und „sich auf die Reinheit von Herkunft, Sprache, Religion oder ideologischen Dogmen beruft” (Émilienne Baneth-Nouailhetas, “Le postcolonial : histoires de langues”, Hérodote Nr. 120, 2006, S. 48-76).
Innerhalb dieses Problemfelds muss unter anderem über die Rolle von Macht und Images im Bereich des Sprachunterrichts (in Frankreich und im Ausland), im Bereich des Buchmarktes und der Übersetzung, im Bereich der Literatur, im täglichen Sprachgebrauch und auf der Ebene der Zirkulation von Sprachen im öffentlichen Raum nachgedacht werden. Das Themenheft soll zum Nachdenken über Sprachrepräsentationen und deren Wechselwirkung innerhalb der Sprachökonomie auffordern. Es lädt weiterhin dazu ein, die Praktiken im Bereich Übersetzung, Publikation sowie im Sprachunterricht vor dem Hintergrund einer von Herrschaftsverhältnissen geprägten Welt zu überdenken.
Beispielsweise kann man sich fragen, ob die Kommunikation zwischen den Sprachen mittels Übersetzung zur Stärkung der sprachlichen Pluralität beiträgt oder ob sie nicht im Gegenteil aus anderen Bereichen stammende Ungleichheiten reproduziert. Es kann gefragt werden, wie Einzelpersonen, soziale Gruppen oder Behörden das Thema Sprache als Instrument der Diskriminierung und Dominierung (oder im Gegenteil als Instrument der Anerkennung und Emanzipation) in rechtlichen oder administrativen Angelegenheiten oder im Rahmen von sozialen Konflikten benutzen. Dabei könnte man auch analysieren, inwiefern Schriftsteller, Übersetzer und Verleger im Rahmen eines von der Globalisierung geprägten Marktes bestimmte sprachliche Varietäten bevorzugen, und welche Strategien angesichts der Spannungen zwischen globaler und lokaler Ebene zum Einsatz kommen.
Mögliche Untersuchungsfelder
Innerhalb des somit abgesteckten Rahmens könnte die Problematik ‚Linguizismus und Sprachenimages‘ unter anderem auf folgenden Feldern untersucht werden:
Literaturwissenschaft:
- Sprachenimages in der Literatur und auf dem Literaturmarkt
- Sprachrepräsentationen und Repräsentation sprachlicher Varietäten in der Literatur, sowie deren ideologische Implikationen
Ideengeschichte/Philosophie:
- Verhältnis von Sprachenvielfalt und Machtstrukturen
- dekoloniale Perspektiven des Sprachdenkens
Geschichte/Landeskunde:
- Linguizismus und Diskriminierung, Linguizismus und Rassismus
- Geschichte des Linguizismus und der Sprachenimages
Sprachwissenschaft/Didaktik:
- Übersetzung und Sprachenimages
- Status von Varietäten in der Linguistik
- Platz der Sprachenimages in der Sprachdidaktik und im Sprachunterricht (von der Grundschule bis zur Universität)
Auswahl der Beiträge
Die Auswahl der Beiträge erfolgt in zwei Schritten. Zunächst sollen die geplanten Beiträge in Form einer Kurzzusammenfassung (ca. 300 Wörter) inklusive einer wissenschaftlichen Kurzbiographie eingesandt werden. Nach einer Vorauswahl der Vorschläge, wobei sowohl das wissenschaftliche Interesse der Vorschläge als auch die programmatische Ausrichtung der Zeitschrift zum Tragen kommen, werden die ausgewählten Beiträger dazu eingeladen, ihre Beiträge zum Peer-Reviewing einzureichen.
Terminplan
– bis zum 1.9.2019: Einreichung der Vorschläge in Form von Zusammenfassungen
– bis zum 15.9.2019: Vorauswahl der Vorschläge durch die Redaktion der Zeitschrift
– bis zum 15.10.2019: Einsendung der fertigen Beiträge (ca. 40000 Zeichen/6000 Wörter)
– bis zum 15.12.2018: Peer-reviewing und Einrichtung der Beiträge
– Januar bis März 2020: Online-Publikation der Ausgabe
Vorschläge für Beiträge als Kurzzusammenfassung inklusive wissenschaftlicher Kurzbiographie sollten bis zum 1.9.2019 an folgende E-Mail-Adressen gesendet werden: maria-graciela.villanueva[at]u-pec.fr et ivan.jimenez[at]u-pec.fr.