La philosophie sociale de Max Scheler
3 > 5 OCTOBRE 2019 MAISON DE LA RECHERCHE | 28 RUE SERPENTE 75006 PARIS
Colloque international | Atelier de jeunes chercheurs
Contact : olivier.agard[at]sorbonne-universite[dot]fr
Max Schelers Wirken als Philosoph und Soziologe fällt in eine Scharnierzeit, die durch den Rückgang des Neukantianismus und die Entstehung neuer Paradigmen gekennzeichnet ist (Phänomenologie, Philosophische Anthropologie, Psychoanalyse, philosophischer Neumarxismus, Philosophie der symbolischen Formen). Max Scheler hat in dieser philosophischen Umbruchsphase eine zentrale Rolle gespielt. Über seine historische Bedeutung hinaus ist sein Werk jedoch systematisch von großem Interesse. Gegenwärtig werden die Fragestellungen der Philosophischen Anthropologie wieder diskutiert (die Stellung des Menschen im Leben, das Verhältnis des Menschen zum Tier, die Ethik des Lebendigen). Dabei zieht Schelers Philosophie im 21. Jahrhundert ein wachsendes Interesse auf sich, wovon nicht zuletzt auch die internationale Scheler-Rezeption zeugt (hier sei auf den 14. Kongress der Max-Scheler-Gesellschaft verwiesen, der im November 2018 in Guangzhou stattgefunden hat).
Historisch gesehen gehört Max Scheler zu den Denkern, die vor 1914 und in der Zwischenkriegszeit die Idee der Demokratie durch eine Kritik des liberalen Individualismus und eine Theorie der Solidarität erneuert haben. Er ist auf europäischer Ebene einer der Vordenker des Personalismus, einer Denkströmung, die (dank der Wirkung bestimmter Vermittler wie Paul Luwig Landsberg) eine deutsch-französische Resonanz hat und auch von zeitgenössischer Relevanz ist: Schelers Solidarismus, verstanden als konkrete Solidarität, erfährt vor dem Hintergrund der gegenwärtigen Krise der sozialistischen Utopie und des Wohlfahrtstaates neue Aktualität – insbesondere im Rahmen des Care-Diskurses. Schelers Politik der Sympathie wurzelt in einer Ethik des Lebendigen. Dies macht sie für das Gespräch mit zeitgenössischen Ansätzen attraktiv, die die Ethik ebenfalls auf der Grundlage der Beziehung zum Lebendigen entwickeln wollen (wie zum Beispiel Frédéric Worms in Frankreich). Im Bereich der Phänomenologie ist Scheler für Fragestellungen an der Schnittstelle von Phänomenologie und Kognitionswissenschaft relevant, wie zum Beispiel für die Frage nach der kollektiven affektiven Intentionalität.
Der innovative Aspekt dieser Tagung besteht darin, zwei Dimensionen der Philosophie Schelers miteinander zu verbinden, die sonst meist getrennt behandelt werden: die phänomenologische Grundlage der Sozialphilosophie und den kulturellen und politischen Diskurs. Die drei Themenfelder der Tagung sind
1) Die phänomenologischen Grundlagen der Sozialphilosophie (die Frage der Sozialontologie, das „other minds“- Problem, die Theorie der Intersubjektivität“).
2) Der kulturelle und politische Diskurs der Sozialphilosophie Schelers (Kapitalismuskritik, Entfremdung, Ressentiment, Personalismus in seiner deutsch-französischen Dimension).
3) Die Beziehung zwischen diesen beiden Ebenen und der systematische Vergleich mit anderen Ansätzen (wie z. B. der kritischen Theorie).