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[CfP, Verlängerung] Deutsch-französische Schriftstelleridentitäten_Recherches Germaniques, hors-série, Nr. 18, 2023_ Einsendung der Abstracts 1.06.21_vollständiger Artikel 1.01.22

Deutsch-französische Schriftstelleridentitäten

Diese Sondernummer der Zeitschrift Recherches Germaniques wird sich dem Thema der deutsch-französischen Schriftstelleridentitäten widmen, d.h. der Figur von Schriftstellern, die in unterschiedlichen Ausprägungen nicht nur einem, sondern den literarischen Systemen Deutschlands und Frankreichs gleichzeitig angehören. Die Problematik der literarischen Identität soll hierbei insbesondere auf sprachlicher Ebene behandelt werden. In diesem Sinne werden sich die Analysen vorrangig mit verschiedenen Ausprägungen mehrsprachigen Schreibens und mit deren poetischen, biographischen und sozio-historischen Implikationen befassen. Von Fallstudien oder epochenübergreifenden Darstellungen ausgehend bis hin zu zweisprachigen Werken und Autoren, Sprachwechslern und Selbstübersetzern soll die Grundlage für eine literarische Verflechtungsgeschichte gelegt werden, welche die traditionellen Kartografien der Literatur ergänzt. Ein Teil dieser deutsch-französischen Literatur, insbesondere der Korpus, der sich mit dem Elsass und den deutschsprachigen Gebieten Lothringens befasst, war bereits Gegenstand einer Reihe von grundlegenden Studien. Allerdings geben die jüngsten Entwicklungen auf dem Gebiet der historischen, literaturwissenschaftlichen und soziolinguistischen Mehrsprachigkeitsforschung dazu Anlass, das Thema erneut zu untersuchen sowie die vorliegenden Arbeiten zu aktualisieren, zu ergänzen und zu erweitern.

Wissenschaftliche Problematik

Seit den Anfängen der modernen Philologie wurden die literarischen Systeme nach dem Modell der Nationalstaaten konzipiert und dabei eine territoriale Kongruenz von Staat, Sprache und Literatur vorausgesetzt. Im Fall Deutschlands und Frankreichs steht diese Logik der Gleichsetzung kultureller und politischer Grenzen im Widerspruch zur Existenz einer großen deutsch-französischen Kontaktzone, deren Geschichte auf die Teilung des karolingischen Reiches zurückreicht. Auf dem Gebiet des Erbteils von Lothar I. hat sich zwischen dem französischen und dem germanischen Reich eine kulturelle und sprachliche Kontaktzone herausgebildet. Dieser mehrkulturelle und sprachübergreifende Zwischenraum, dessen Nachwirkungen bis heute zu spüren sind, hat eine bedeutende literarische Produktion hervorgebracht. Das bekannteste Beispiel dafür ist die mehrsprachige Literatur im Elsass und in Lothringen. Die bisher weniger untersuchte Mehrsprachigkeit der Literatursysteme der Schweiz, Luxemburgs und Belgiens ist jedoch das Ergebnis der gleichen historischen Entwicklungen und Prägungen.

Über diese territorialen Besonderheiten hinaus hat die lange Geschichte der grenzüberschreitenden Bewegungen und des Austauschs zwischen dem französischen und dem deutschen Raum eine starke gegenseitige Durchdringung ihrer literarischen Systeme gefördert. Dies gilt insbesondere für historische Migrationsbewegungen wie die der Hugenotten. Aber es kann beispielsweise auch auf den emblematischen Einzelfall von Adelbert von Chamisso verwiesen werden, dessen Familie aus dem revolutionären Frankreich nach Deutschland floh. Neben diesen Migrationsbewegungen ist auch die Bedeutung der französischen Literatursprache für viele deutsche Schriftsteller und Intellektuelle zu berücksichtigen. Von der Aufklärung bis zur Gegenwart haben immer wieder deutsche Muttersprachler Werke in dieser Sprache geschaffen oder das Französische in ihre Texte einfließen lassen. In diesem Zusammenhang spielen die Avantgarden des frühen 20. Jahrhunderts eine wichtige Rolle, insofern bei ihnen der Gebrauch beider Sprachen besonders häufig zu finden ist. All diese Beispiele zeugen von der Herausbildung multipler literarischer Zugehörigkeiten, die im Widerspruch zur Vorstellung einer Deckungsgleichheit von Literatur, Sprache und Nation steht.

Neben einer erneuten Bestandsaufnahme und einer Neubewertung der geschichtlichen Bedeutung dieser Phänomene soll die geplante Sondernummer die kulturellen, ästhetischen und soziolinguistischen Implikationen solcher Schriftstelleridentitäten in verschiedenen historischen Kontexten analysieren. Hierbei spielt der Hintergrund der deutsch-französischen Beziehungen und ihrer Entwicklung selbstverständlich eine zentrale Bedeutung. Dabei sollen insbesondere die Verbindung zwischen Sprache und Kultur, der Begriff der literarischen Identität und die Möglichkeiten einer Transzendierung nationaler Zugehörigkeiten durch Literatur näher beleuchtet werden. Die Beiträge können und sollen sich auch kritisch mit dem vorgeschlagenen Begriff der deutsch-französischen Schriftstelleridentität auseinandersetzen und dessen Pertinenz, Relevanz und Anwendbarkeit hinterfragen.

Korpus

Folgende Autoren bzw. Kategorien von Autoren könnten für Beiträge in Betracht kommen, wobei diese Liste keinen Anspruch auf Vollständigkeit erhebt:

– Deutsch-französische Autoren, die beiden Sprachen einen wichtigen Platz in ihrem Werk eingeräumt haben (H. Heine, Y. Goll, H./J. Arp, M. Alexandre, R. Schickele, R. Haussmann, T. Ungerer, A. Weckmann, G.-A. Goldschmidt, A. Weber usw.)

– Autoren deutscher Herkunft, die Französisch als hauptsächliche Literatursprache benutzt haben (F. M. Grimm, Baron d’Holbach, Friedrich II. von Preußen, Bertina Henrichs usw.)

– Autoren französischer Herkunft, die Deutsch als hauptsächliche Literatursprache benutzt haben (A. Chamisso, F. Cactus, etc.)

– Autoren deutscher Herkunft, die das Französische als zweite Literatursprache benutzt haben (A. von Humboldt, A. W. Schlegel, St. George, R. M. Rilke, W. Benjamin usw.)

– Autoren französischer Herkunft, die Deutsch oder eine deutschsprachige Varietät als zweite Literatursprache benutzt haben (Claude Vigée, C. Wajsbrot, S. Schenk-Gossolin usw.)

– Deutschsprachige Autoren, deren Texte einen besonderen Einfluss der französischen Sprache in Form von Sprachmischungen, sprachlichen Interferenzen oder anderen Formen von textinterner Mehrsprachigkeit erkennen lassen (G. Büchner, F. Wedekind, P. Celan, etc.)

– Autoren anderer Nationalitäten (Schweiz, Belgien, Luxemburg, usw.), die in ihren Werken neben anderen Literatursprachen auch Deutsch (oder eine seiner Varietäten) verwendet haben und eine ähnliche Identitätsproblematik erkennen lassen.

Terminplan der Publikation

Einsendung der Abstracts: 01/06/2021

Annahme der Vorschläge auf Basis der Abstracts: 01/05/2021

Einsendung der vollständigen Artikel: 01/01/2022

Endgültige Annahme der Artikel: 01/06/2022

 

Die Herausgeber bitten zunächst bis zum 1. Juni 2021 um Einsendung von Abstracts (Länge ca. 500-1000 Wörter). Nach Sichtung und Vorauswahl der eingegangenen Vorschläge werden die fertigen Artikel bis zum 1. Januar 2022 erbeten. Das entsprechende Stylesheet wird mit der Annahme der Vorschläge zugeschickt. Die Recherches Germaniques sind eine internationale peer reviewedZeitschrift. Alle Artikel werden einer doppelten und anonymen Evaluierung unterzogen.

Einsendung der Abstracts bis zum 1.6.21 an staiber[at]unistra.fr und dirk.weissmann[at]univ-tlse2.fr 

 

CFP_ Deutsch-französische Schriftstelleridentitäten_Recherches Germaniques, hors-série, Nr 18, 2023_ Einsendefrist: Abstracts 1.03.21_Artikel 1.01.22

CALL FOR PAPERS (01/03/2021)

 

Deutsch-französische Schriftstelleridentitäten

 

Recherches Germaniques, hors-série n° 18, 2023 

Deutsch-französische Schriftstelleridentitäten

Diese Sondernummer der Zeitschrift Recherches Germaniques wird sich dem Thema der deutsch-französischen Schriftstelleridentitäten widmen, d.h. der Figur von Schriftstellern, die in unterschiedlichen Ausprägungen nicht nur einem, sondern den literarischen Systemen Deutschlands und Frankreichs gleichzeitig angehören. Die Problematik der literarischen Identität soll hierbei insbesondere auf sprachlicher Ebene behandelt werden. In diesem Sinne werden sich die Analysen vorrangig mit verschiedenen Ausprägungen mehrsprachigen Schreibens und mit deren poetischen, biographischen und sozio-historischen Implikationen befassen. Von Fallstudien oder epochenübergreifenden Darstellungen ausgehend bis hin zu zweisprachigen Werken und Autoren, Sprachwechslern und Selbstübersetzern soll die Grundlage für eine literarische Verflechtungsgeschichte gelegt werden, welche die traditionellen Kartografien der Literatur ergänzt. Ein Teil dieser deutsch-französischen Literatur, insbesondere der Korpus, der sich mit dem Elsass und den deutschsprachigen Gebieten Lothringens befasst, war bereits Gegenstand einer Reihe von grundlegenden Studien. Allerdings geben die jüngsten Entwicklungen auf dem Gebiet der historischen, literaturwissenschaftlichen und soziolinguistischen Mehrsprachigkeitsforschung dazu Anlass, das Thema erneut zu untersuchen sowie die vorliegenden Arbeiten zu aktualisieren, zu ergänzen und zu erweitern.

Wissenschaftliche Problematik

Seit den Anfängen der modernen Philologie wurden die literarischen Systeme nach dem Modell der Nationalstaaten konzipiert und dabei eine territoriale Kongruenz von Staat, Sprache und Literatur vorausgesetzt. Im Fall Deutschlands und Frankreichs steht diese Logik der Gleichsetzung kultureller und politischer Grenzen im Widerspruch zur Existenz einer großen deutsch-französischen Kontaktzone, deren Geschichte auf die Teilung des karolingischen Reiches zurückreicht. Auf dem Gebiet des Erbteils von Lothar I. hat sich zwischen dem französischen und dem germanischen Reich eine kulturelle und sprachliche Kontaktzone herausgebildet. Dieser mehrkulturelle und sprachübergreifende Zwischenraum, dessen Nachwirkungen bis heute zu spüren sind, hat eine bedeutende literarische Produktion hervorgebracht. Das bekannteste Beispiel dafür ist die mehrsprachige Literatur im Elsass und in Lothringen. Die bisher weniger untersuchte Mehrsprachigkeit der Literatursysteme der Schweiz, Luxemburgs und Belgiens ist jedoch das Ergebnis der gleichen historischen Entwicklungen und Prägungen.

Über diese territorialen Besonderheiten hinaus hat die lange Geschichte der grenzüberschreitenden Bewegungen und des Austauschs zwischen dem französischen und dem deutschen Raum eine starke gegenseitige Durchdringung ihrer literarischen Systeme gefördert. Dies gilt insbesondere für historische Migrationsbewegungen wie die der Hugenotten. Aber es kann beispielsweise auch auf den emblematischen Einzelfall von Adelbert von Chamisso verwiesen werden, dessen Familie aus dem revolutionären Frankreich nach Deutschland floh. Neben diesen Migrationsbewegungen ist auch die Bedeutung der französischen Literatursprache für viele deutsche Schriftsteller und Intellektuelle zu berücksichtigen. Von der Aufklärung bis zur Gegenwart haben immer wieder deutsche Muttersprachler Werke in dieser Sprache geschaffen oder das Französische in ihre Texte einfließen lassen. In diesem Zusammenhang spielen die Avantgarden des frühen 20. Jahrhunderts eine wichtige Rolle, insofern bei ihnen der Gebrauch beider Sprachen besonders häufig zu finden ist. All diese Beispiele zeugen von der Herausbildung multipler literarischer Zugehörigkeiten, die im Widerspruch zur Vorstellung einer Deckungsgleichheit von Literatur, Sprache und Nation steht.

Neben einer erneuten Bestandsaufnahme und einer Neubewertung der geschichtlichen Bedeutung dieser Phänomene soll die geplante Sondernummer die kulturellen, ästhetischen und soziolinguistischen Implikationen solcher Schriftstelleridentitäten in verschiedenen historischen Kontexten analysieren. Hierbei spielt der Hintergrund der deutsch-französischen Beziehungen und ihrer Entwicklung selbstverständlich eine zentrale Bedeutung. Dabei sollen insbesondere die Verbindung zwischen Sprache und Kultur, der Begriff der literarischen Identität und die Möglichkeiten einer Transzendierung nationaler Zugehörigkeiten durch Literatur näher beleuchtet werden. Die Beiträge können und sollen sich auch kritisch mit dem vorgeschlagenen Begriff der deutsch-französischen Schriftstelleridentität auseinandersetzen und dessen Pertinenz, Relevanz und Anwendbarkeit hinterfragen.

Korpus

Folgende Autoren bzw. Kategorien von Autoren könnten für Beiträge in Betracht kommen, wobei diese Liste keinen Anspruch auf Vollständigkeit erhebt:

– Deutsch-französische Autoren, die beiden Sprachen einen wichtigen Platz in ihrem Werk eingeräumt haben (H. Heine, Y. Goll, H./J. Arp, M. Alexandre, R. Schickele, R. Haussmann, T. Ungerer, A. Weckmann, G.-A. Goldschmidt, A. Weber usw.)

– Autoren deutscher Herkunft, die Französisch als hauptsächliche Literatursprache benutzt haben (F. M. Grimm, Baron d’Holbach, Friedrich II. von Preußen, Bertina Henrichs usw.)

– Autoren französischer Herkunft, die Deutsch als hauptsächliche Literatursprache benutzt haben (A. Chamisso, F. Cactus, etc.)

– Autoren deutscher Herkunft, die das Französische als zweite Literatursprache benutzt haben (A. von Humboldt, A. W. Schlegel, St. George, R. M. Rilke, W. Benjamin usw.)

– Autoren französischer Herkunft, die Deutsch oder eine deutschsprachige Varietät als zweite Literatursprache benutzt haben (Claude Vigée, C. Wajsbrot, S. Schenk-Gossolin usw.)

– Deutschsprachige Autoren, deren Texte einen besonderen Einfluss der französischen Sprache in Form von Sprachmischungen, sprachlichen Interferenzen oder anderen Formen von textinterner Mehrsprachigkeit erkennen lassen (G. Büchner, F. Wedekind, P. Celan, etc.)

– Autoren anderer Nationalitäten (Schweiz, Belgien, Luxemburg, usw.), die in ihren Werken neben anderen Literatursprachen auch Deutsch (oder eine seiner Varietäten) verwendet haben und eine ähnliche Identitätsproblematik erkennen lassen.

Terminplan der Publikation

Einsendung der Abstracts: 01/03/2021

Annahme der Vorschläge auf Basis der Abstracts: 01/05/2021

Einsendung der vollständigen Artikel: 01/01/2022

Endgültige Annahme der Artikel: 01/06/2022

 

Die Herausgeber bitten zunächst bis zum 1. März 2021 um Einsendung von Abstracts (Länge ca. 1000 Wörter). Nach Sichtung und Vorauswahl der eingegangenen Vorschläge werden die fertigen Artikel bis zum 1. Januar 2022 erbeten. Das entsprechende Stylesheet wird mit der Annahme der Vorschläge zugeschickt. Die Recherches Germaniques sind eine internationale peer reviewedZeitschrift. Alle Artikel werden einer doppelten und anonymen Evaluierung unterzogen.

Einsendung der Abstracts bis zum 1.3.21 an staiber[at]unsitra.fr und dirk.weissmann[at]univ-tlse2.fr 

PDF: Identités littéraires franco-allemandes:Deutsch-französische Schriftstelleridentitäten

CfP Zeitschrift Quaderna n° 5 : Linguizismus und Sprachenimages_1. Einreichefrist 1.09.2019 (Zusammenfassungen)

Call for Papers für die 5. Ausgabe der Zeitschrift Quaderna (quaderna.org)

Linguizismus und Sprachenimages

Hg. v. Graciela Villanueva und Iván Jiménez

Die fünfte Ausgabe der transdisziplinären und mehrsprachigen Zeitschrift Quaderna ist dem Thema ‚Linguizismus und Sprachenimages‘ gewidmet. Interessierte Wissenschaftler aus den Bereichen Literaturwissenschaft, Kulturwissenschaft, Philosophie, Geschichte, Linguistik, Didaktik usw. sind hiermit eingeladen, Vorschläge für dieses Anfang 2020 erscheinende Heft einzureichen. Die Beiträge sollten germanistische, romanistische, anglistische oder komparatistische Themen behandeln und können wahlweise auf Deutsch, Französisch, Englisch, Spanisch oder Italienisch verfasst werden.

Thematischer Rahmen

Obwohl das Gesetz (in Frankreich wie in anderen Ländern) verschiedene Formen der Diskriminierung definiert und unter Strafe stellt, werden Diskriminierung sprachlicher Praktiken oft von den Gesetzestexten wenig beachtet, vergessen oder ignoriert. Der Begriff ‚Linguizismus‘ bezieht sich speziell auf solche Diskriminierungen sprachlicher Art. Philippe Blanchet (Discriminations: combattre la glottophobie,2016) definiert das französische Äquivalent ‚glottophobie‘ als „die Beleidigung, Anfeindung, Aggression, Ablehnung, Exklusion von Personen, eine Form negativer Diskriminierung, die auf der realen oder behaupteten Tatsache beruht, dass gewisse Sprachformen (Sprachen, Dialekte oder ein bestimmter Sprachgebrauch), die von diesen Personen verwendet werden, als falsch, mangelhaft oder minderwertig beurteilt werden, in der Regel unter direkter Bezugnahme auf diese sprachlichen Aspekte (oft ohne das Bewusstsein für die möglichen Auswirkungen dieses Verhaltens auf die betroffenen Personen)“.

Wie Fremdenfeindlichkeit, Homophobie oder Islamfeindlichkeit beschränkt sich der Linguizismus nicht auf die Ablehnung eines bestimmten (tatsächlichen oder vermeintlichen) Merkmals, sondern bedeutet letztlich eine Ablehnung der gesamten Person. Der betroffene Mensch wird nicht nur deshalb abgelehnt, weil er eine bestimmte Sprache statt einer anderen spricht (also nicht das Idiom, das man wertschätzt, erwartet oder fordert), sondern weil er innerhalb einer bestimmten Sprache eine Varietät (Akzente, Sprechweisen, Schreibstile, Vokabular, Register usw.) benutzt, die als minderwertig oder falsch angesehen wird. Mehrsprachigkeit und sprachliche Pluralität wird vom Linguizismus nicht als Zeichen der Vitalität und des Reichtums der Lebenswelt und der Gesellschaft betrachtet, sondern geleugnet, verachtet und bekämpft.

Der Begriff ‚Linguizismus‘ erfordert ein Nachdenken über sprachliche und kulturelle Images aus postkolonialer oder dekolonialer Perspektive. Postkoloniales Denken wird in diesem Zusammenhang als der Wille verstanden, „sich einer Polarisierung zu entziehen, die der Kolonialdoktrin inhärent und für sie notwendig ist: der Polarisierung von Macht versusGegenmacht der Ursprünge“, wodurch die “Gegensatzpaare im historischen, künstlerischen und politischen Bereich” hinterfragt werden. Damit ist gemeint, dass jede Art von Diskurs hinterfragt wird, der auf “einer geografischen oder ideologischen Territorialisierung“ beruht und „sich auf die Reinheit von Herkunft, Sprache, Religion oder ideologischen Dogmen beruft” (Émilienne Baneth-Nouailhetas, “Le postcolonial : histoires de langues”, Hérodote Nr. 120, 2006, S. 48-76).

Innerhalb dieses Problemfelds muss unter anderem über die Rolle von Macht und Images im Bereich des Sprachunterrichts (in Frankreich und im Ausland), im Bereich des Buchmarktes und der Übersetzung, im Bereich der Literatur, im täglichen Sprachgebrauch und auf der Ebene der Zirkulation von Sprachen im öffentlichen Raum nachgedacht werden. Das Themenheft soll zum Nachdenken über Sprachrepräsentationen und deren Wechselwirkung innerhalb der Sprachökonomie auffordern. Es lädt weiterhin dazu ein, die Praktiken im Bereich Übersetzung, Publikation sowie im Sprachunterricht vor dem Hintergrund einer von Herrschaftsverhältnissen geprägten Welt zu überdenken.

Beispielsweise kann man sich fragen, ob die Kommunikation zwischen den Sprachen mittels Übersetzung zur Stärkung der sprachlichen Pluralität beiträgt oder ob sie nicht im Gegenteil aus anderen Bereichen stammende Ungleichheiten reproduziert. Es kann gefragt werden, wie Einzelpersonen, soziale Gruppen oder Behörden das Thema Sprache als Instrument der Diskriminierung und Dominierung (oder im Gegenteil als Instrument der Anerkennung und Emanzipation) in rechtlichen oder administrativen Angelegenheiten oder im Rahmen von sozialen Konflikten benutzen. Dabei könnte man auch analysieren, inwiefern Schriftsteller, Übersetzer und Verleger im Rahmen eines von der Globalisierung geprägten Marktes bestimmte sprachliche Varietäten bevorzugen, und welche Strategien angesichts der Spannungen zwischen globaler und lokaler Ebene zum Einsatz kommen.

Mögliche Untersuchungsfelder

Innerhalb des somit abgesteckten Rahmens könnte die Problematik ‚Linguizismus und Sprachenimages‘ unter anderem auf folgenden Feldern untersucht werden:

Literaturwissenschaft:

  • Sprachenimages in der Literatur und auf dem Literaturmarkt
  • Sprachrepräsentationen und Repräsentation sprachlicher Varietäten in der Literatur, sowie deren ideologische Implikationen

Ideengeschichte/Philosophie:

  • Verhältnis von Sprachenvielfalt und Machtstrukturen
  • dekoloniale Perspektiven des Sprachdenkens

Geschichte/Landeskunde:

  • Linguizismus und Diskriminierung, Linguizismus und Rassismus
  • Geschichte des Linguizismus und der Sprachenimages

Sprachwissenschaft/Didaktik:

  • Übersetzung und Sprachenimages
  • Status von Varietäten in der Linguistik
  • Platz der Sprachenimages in der Sprachdidaktik und im Sprachunterricht (von der Grundschule bis zur Universität)

Auswahl der Beiträge

Die Auswahl der Beiträge erfolgt in zwei Schritten. Zunächst sollen die geplanten Beiträge in Form einer Kurzzusammenfassung (ca. 300 Wörter) inklusive einer wissenschaftlichen Kurzbiographie eingesandt werden. Nach einer Vorauswahl der Vorschläge, wobei sowohl das wissenschaftliche Interesse der Vorschläge als auch die programmatische Ausrichtung der Zeitschrift zum Tragen kommen, werden die ausgewählten Beiträger dazu eingeladen, ihre Beiträge zum Peer-Reviewing einzureichen.

Terminplan

– bis zum 1.9.2019: Einreichung der Vorschläge in Form von Zusammenfassungen

– bis zum 15.9.2019: Vorauswahl der Vorschläge durch die Redaktion der Zeitschrift

– bis zum 15.10.2019: Einsendung der fertigen Beiträge (ca. 40000 Zeichen/6000 Wörter)

– bis zum 15.12.2018: Peer-reviewing und Einrichtung der Beiträge

– Januar bis März 2020: Online-Publikation der Ausgabe

Vorschläge für Beiträge als Kurzzusammenfassung inklusive wissenschaftlicher Kurzbiographie sollten bis zum 1.9.2019 an folgende E-Mail-Adressen gesendet werden: maria-graciela.villanueva[at]u-pec.fr et ivan.jimenez[at]u-pec.fr.