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CfP: Sprache und Fußball II – Online-Workshop auf der ÖLT 2021

Sprache und Fußball II

Online-Workshop auf der ÖLT 2021

(Österreichische Linguistiktagung, Wien, 09-12/12/2021, oelt2021.univie.ac.at)

 

Call for Papers

Vierzehn Jahre nach dem pionierhaften Workshop „Sprache und Fußball“ auf der Österreichischen Linguistiktagung (ÖLT) 2007 in Innsbruck, der zum Sammelband „The Linguistics of Football“ (2008) geführt hat, soll mit einer Neuauflage des Workshops der derzeitige Stand dieses inzwischen wohletablierten und stark expandierenden Forschungsbereichs erhoben werden. Erwünscht sind Themen wie:

  • Mehrsprachigkeit in Fußballmannschaften, incl. Dolmetschen, Community Interpreting, Sprachkurse, persönliche Betreuer*innen…, mit den Akteur*innen: Spieler*innen, Trainer*innen, Schieds­rich­ter*innen…, inklusive dem institutionellen Aspekt (UEFA, FIFA…);
  • Kommunikation von Spieler*innen und Trainer*innen mit Journalist*innen, Kommunikation in den Medien (Interviews, Diskussionen…);
  • Fußball-Berichterstattung in verschiedenen Medien (Presse, Fernsehen, Internet, Social Media…) incl. (Online) Live-Kommentare und Ähnliches, dazu auch die entsprechenden translationswissenschaftlichen Aspekte;
  • Terminologie, Jargon, elektronische Ressourcen wie Online-Wörterbücher etc.;
  • Onomastik – Spieler-Namen, Stadien-Namen etc.;
  • Gespräche beim Fußball-Schauen, Fußball als Thema von Alltagsgesprächen und medial übermittelten Gesprächen;
  • Fußballbezogene Textsorten wie Fangesänge u.a.; überhaupt Fankultur und Fankommunikation;
  • Websites und Social-Media-Auftritte von Vereinen etc.;
  • Nicht-sprachliche oder kombinierte Codes wie Gestik, Beschilderung, Text und Bild…;
  • Ein besonderer Platz soll bei all diesen Themen den Praktiken im und der Berichterstattung zum Frauen-Fußball eingeräumt werden;
  • Alle weiteren Themen, die vielleicht noch neu für die Forschung zu erschließen sind.

Wir freuen uns über alle Beiträge, die natürlich mit Fußball, und dazu eben mit Linguistik in einem breiten Sinne zu tun haben (also auch Diskurs- und Gesprächsanalyse, Soziolinguistik, Interaktionsforschung, Sprachdidaktik etc. etc.); nicht wirklich passend sind rein literatur- oder kulturwissenschaftliche Beiträge. Die Sprachen des Workshops, der ja großteils von Romanist*innen organisiert wird, sind Deutsch, Englisch und romanische Sprachen.

Organisiert von / organized by / organisé par:

Eva Lavric (Innsbruck), eva.lavric@uibk.ac.at ;

Joachim Born (Gießen), joa-born@t-online.de ;

Gerhard Pisek (Ibk), gerhard.pisek@uibk.ac.at ;

Jasmin Steiner (Ibk), steiner_jasmin@gmx.net ;

Irene Giera (Linz), irene.giera@gmx.at ;

Erika Giorgianni (Berlin/Venedig), erika.giorgianni@gmail.com ;

 

Abstracts (2000 Zeichen) an eva.lavric@uibk.ac.at

Deadline Abstracts: 20/09/2021

Benachrichtigung: 18/10/2021

Workshop Diskursmorphologie, 18.-19. März, online (zoom)

Online-Tagung:

Diskursmorphologie

18./19.03.2021

Organisation:

Prof. Dr. Laurent Gautier, Université de Bourgogne laurent.gautier@u-bourgogne.fr

Dr. Sascha Michel, RWTH Aachen s.michel@isk.rwth-aachen.de

Dr. Simon Varga, FTSK Germersheim varga@uni-mainz.de

Tagungskonzept

Die Diskurslinguistik beschäftigt sich traditionell nur am Rande mit morphologischen Aspekten. Spitzmüller/Warnke (2011: 138) beziehen Wortbildung zwar in ihrer „wortorientierten Analyse“ mit ein, sehen aber davon ab, eine „eigenständige morphemorientierte Ebene“ anzunehmen, „weil diese Morpheme im Diskurs bereits als realisierte Wortformen erscheinen“. Die Flexionsmorphologie bleibt indes weitgehend unberücksichtigt.

Allerdings hat auch die Morphologie diskurslinguistische Fragestellungen bislang allenfalls gestreift. Wiewohl etwa die Wortbildungsforschung in den letzten Jahren eine „pragmatische Wende“ erfahren hat und zunehmend Aspekte des Wortbildungsgebrauchs aufgreift (vgl. Elsen/Michel 2007, 2011), bleibt zu konstatieren, dass diese nur selten über die Textebene hinausgehen.

Die Diskursgrammatik wiederum widmet sich seit einiger Zeit der diskursiven Bedeutung und Funktion von phrasen- und satzsyntaktischen sowie morphologischen Einheiten (vgl. Warnke et al. 2014, Müller 2018). Genau hier möchte die Diskursmorphologie – verstanden als Teildisziplin einer Diskursgrammatik – ansetzen, indem sie postuliert, dass eine „morphemorientierte Ebene“ – im Zusammenspiel freilich mit allen anderen diskurslinguistisch relevanten Ebenen – eine neue, zusätzliche Herangehensweise an flexionsmorphologische und wortbildungsbezogene Fragestellungen in Diskursen bedeuten kann. So kommt auch Gredel (2018: 66) bei der Analyse von Itis-Kombinatorik in Wikipedia zu folgendem Ergebnis: „Gezeigt werden konnte, dass Morpheme als Zugriffsobjekt für korpuslinguistisch informierte Diskursanalysen brauchbar sind“.

Wir möchten uns im Rahmen der Tagung einen ersten theoretisch-methodischen Zugang zu einer systematischen Erforschung des Zusammenspiels zwischen Diskurslinguistik einerseits und Morphologie andererseits verschaffen. Folgende Fragestellungen und Themen sollen dabei u.a. im Zentrum stehen:

Theoretisch-methodisch:

  • Welchen Stellenwert nimmt die morphologische Analyse im Rahmen einer diskurslinguistischen Mehrebenenanalyse (vgl. Spieß 2011) ein?
  • Welche theoretischen Ansätze (z.B. Konstruktionsgrammatik (vgl. Ziem 2018), Kognitive Semantik, Soziolinguistik, Textlinguistik, Pragmatik, Medienlinguistik etc.) bieten sich an?

Empirisch:

  • Wie lassen sich die Daten empirisch, d.h. korpuslinguistisch erheben?
  • Welche Ergebnisse liefern morphologische Fallanalysen?
  • Welchen Einfluss haben soziopragmatische Variablen (z.B. Äußerungskontext) auf die diskursive Verwendung morphologischer Einheiten?
  • Welche Bedeutung kommt bestimmten medialen Rahmenbedingungen zu – beispielsweise bei der diskursiven Bearbeitung/Erstellung von Online-Texten oder der Bildung von diskurskonstituierenden und -strukturierenden Hashtags?

 

Literatur (Auswahl):

Elsen, Hilke/Michel, Sascha (2007): „Wortbildung im Sprachgebrauch. Desiderate und Perspektiven einer etablierten Forschungsrichtung“, in: Muttersprache 1/2007, 1–16.

Elsen, Hilke/Michel, Sascha (2011) (Hgg.): Wortbildung im Deutschen zwischen Sprachsystem und Sprachgebrauch. Perspektiven – Analysen – Anwendungen. Stuttgart (= PGL 5).

Gredel, Eva (2018): „Itis-Kombinatorik auf den Diskussionsseiten der Wikipedia: Ein Wortbildungsmuster zur diskursiven Normierung in der kollaborativen Wissenskonstruktion“. In: ZfAL 68/2018, 35–72.

Müller, Marcus (2018): Diskursgrammatik. In: Warnke, Ingo H. (Hg.): Handbuch Diskurs. Berlin/Boston: de Gruyter, 75–103. (= Handbücher Sprachwissen)

Spieß, Constanze (2011): Diskurshandlungen. Theorie und Methode linguistischer Diskursanalyse am Beispiel der Bioethikdebatte. Berlin/Boston: de Gruyter. (= Sprache und Wissen 7).

Spitzmüller, Jürgen/Warnke, Ingo H. (2011): Diskurslinguistik. Eine Einführung in Theorien und Methoden der transtextuellen Sprachanalyse. Berlin/Boston: de Gruyter.

Warnke, Ingo H./Wildfeuer, Janina/Schmidt-Brücken, Daniel/Karg, Wolfram (2014): Diskursgrammatik als wissensanalytische Sprachwissenschaft. In Benitt, Nora/Koch, Christopher/Müller, Katharina/Saage, Sven/Schüler, Lisa (Hgg.), Kommunikation – Korpus – Kultur: Ansätze und Konzepte einer kulturwissenschaftlichen Linguistik. Trier: WVT, 67–85 (= Giessen Contributions to the Study of Culture 11).

Ziem, Alexander (2018): Diskurslinguistik und (Berkeley) Construction Grammar. In: Warnke, Ingo H. (Hg.): Handbuch Diskurs. Berlin/Boston: de Gruyter, 104–133. (= Handbücher Sprachwissen)

Tagungsprogramm

Interessierte sind herzlich eingeladen. Bitte melden Sie sich bei einem der Organisatoren, um den Zugangslink (Zoom) zur Tagung zu erhalten.

 

Donnerstag, 18.03.2021

Zeit Vortrag
10.00-10.15 Begrüßung und Einführung

Laurent Gautier und Sascha Michel

10.20-10.45 Morphologie aus Sicht der Diskursgrammatik

Marcus Müller (Darmstadt)

11.00-11.25 coroni|-eren|-sieren|-fizieren

Zum Verhältnis von Diskursmorphologie und Diskurspragmatik

Kersten Sven Roth (Magdeburg)

11.40-12.05 Hapaxe, Morpheme und Produktivität im COVID-19-Diskurs

Philipp Dreesen/Julia Krasselt und Klaus Rothenhäusler (Winterthur)

12.15-13.00 Mittagspause
13.00-13.25 Namen und Wortbildung:

Eigennamenkomposita in Text und Diskurs

Adele Baltuttis und Barbara Schlücker (Leipzig)

13.40-14.05 „Merkelt ihr nicht das ihr vergauckelt werdet ???“ – Wortbildung in verschwörungstheoretischen Diskursen

Sören Stumpf (Trier)

14.20-14.45 Es wächst zusammen, …   Inkorporation: eine irreversible Geschichte?

Martine Dalmas (Paris)

 

Freitag, 19.03.2021

Zeit Vortrag
10.00-10.25 Kontroverse Komposita und Co.: Explorationen im Flüchtlingsdiskurs am Beispiel von Bundestagsreden

Sascha Michel (Aachen) und Alexander Ziem (Düsseldorf)

10.40-11.05 Geächtetes Suffix: Vom -ling im Flüchtling und der Diskursmacht einer Metamorphologie

Marlene Rummel (Dresden)

11.20-11.45 Diskursmorphologie und digitale Kommunikation: Plattformspezifische Wortbildungsprodukte in der kollaborativen Textproduktion

Eva Gredel (Duisburg-Essen)

11.55-13.00 Mittagspause
13.00-13.25 #ichbinX/#wirsindX: zur diskursiven Produktivität eines #-Wortbildungsmusters

Laurent Gautier (Dijon)

13.40-14.05 Grammatische Morpheme als „Stigmamorpheme“: Überlegungen zur diskursiven Bedeutungskonstitution unterhalb der Wortebene

Simon Varga (Germersheim)

14.20-15.00 Abschlussdiskussion
15.00 Ende der Tagung