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Virtualität als Triebfeder sprachlich-textueller Evolution
Sektionsleitung: Dominique Dias (Université Grenoble Alpes), Nadine Rentel (Westsächsische Hochschule Zwickau), Tilman Schröder (Hochschule München)
Die Medienlinguistik hat in den letzten Jahren zunehmend Texte und Textsorten im digitalen Raum als Forschungsgegenstand in den Blick genommen. Die vorhandenen Studien untersuchen die Übertragbarkeit analoger Text(sorten)konzeptionen auf den digitalen Raum (Storrer 2008; Reutner/Schröpf/Rentel 2014) oder entwickeln neue Ansätze zur strukturellen Beschreibung digitaler Texte (Jucker/Dürscheid 2012; Gruber/Grübl/Scharinger 2021). Erforscht werden ebenso Aspekte der Multimodalität (Stöckl 2004, Eckkrammer/Held 2006), die sprachliche Mikrostruktur (Rentel/Schröder 2018; Kluge/Mihatsch/Schaller 2020) und die Pragmatik (Yus 2011) digitaler Texte, welche sich häufig durch Dialogizität und Spontaneität auszeichnen. Zusätzlich stehen Phänomene der Hybridisierung (Dias 2017) und der Ausdifferenzierung (Hauser/Luginbühl 2015) von Texten als Konsequenzen der Digitalisierung im Zentrum des Interesses. Als Untersuchungsgegenstand dienen dabei digitale Medien und Dienste, die vorwiegend asynchronen Charakter haben, jedoch unterschiedliche Dialogizitätspotenziale aufweisen (Twitter, Facebook und Instagram vs. E-Commerce-Portale und Rezensionsplattformen).
Auch aus der Romanistik liegen bereits medienlinguistische Forschungsergebnisse vor; dennoch ist insbesondere für die romanischen Sprachen weiterhin erheblicher Forschungsbedarf zu digitalen Texten zu konstatieren, sowohl in theoretisch-methodischer als auch in anwendungsorientierter Sicht. Auch besteht nach wie vor erheblicher Bedarf an Studien mit größeren Korpora sowie an Untersuchungen kulturkontrastiver Natur. Dieser Bedarf betrifft die Musterhaftigkeit, Dialogizität, Hybridität, Multimodalität, Pragmatik und die sprachlichen Oberflächenstrukturen von Texten und Kommunikationsformen im virtuellen Raum sowie Bezüge und Parallelen zu analogen Texten.
Die Frage nach den Konsequenzen der Digitalisierung für textuelle und sprachliche Strukturen hat durch die exponentiell gestiegene Nutzung digitaler Werkzeuge während der vergangenen zwei Jahre nochmals deutlich an Brisanz gewonnen. Neben den bereits etablierten – vorwiegend asynchronen – Online-Diensten ermöglichen synchrone Dienste wie Zoom, Teams und WebEx die Herstellung „virtueller Präsenz“ und zeichnen sich dabei durch komplexe Multimodalität und vielschichtige Dialog- und Interaktionsstrukturen aus: Gesprochene und geschriebene Sprache, Kamerabild und geteilte Bildschirminhalte manifestieren sich parallel und stehen in engen Wechselbeziehungen. Aus linguistischer Sicht stellt sich die Frage nach dem Zusammenwirken der Modalitäten im Virtuellen, nach Anpassungen bisheriger kommunikativer Repertoires bzw. nach der Herausbildung neuer Handlungsmuster („Dein Mikro ist stumm!“, „Hört man mich jetzt?“). Sowohl in synchronen als auch asynchronen Medien ist zu untersuchen, wie „virtuelle Präsenz“ sprachlich ausgehandelt wird („Man sieht dich nicht!“, „Ich muss mal kurz meine Kamera ausmachen“), welche Strategien der Gesprächsorganisation sichtbar werden („Sprecht einfach rein, wenn ihr was sagen wollt!“, „Kannst Du mich bitte zum Host machen?“) und wie Konflikte ausgetragen werden. Zusätzlich stellt sich die Frage, wie sich Virtualität auf Strategien der Nähe und der Distanz auswirkt und inwiefern textlinguistische Konzepte geeignet sind, um neu entstandene Muster einzuordnen oder intertextuelle Bezüge zu beschreiben.
Im Rahmen der Sektionsarbeit sollen sprachlich-textuelle Merkmale asynchroner und synchroner virtueller Kommunikation aus dezidiert romanistischer Perspektive und unter verschiedenen Blickwinkeln behandelt werden. Erwünscht sind einzelsprachbezogene Beiträge sowie sprach- und kulturkontrastiv angelegte Studien. Die nachfolgenden Themenbereiche verstehen sich als Auswahl bzw. Anregung. Weitere Aspekte und Problemstellungen sind willkommen.
Einreichung von Vortragsvorschlägen
Bibliographie
Dias, Dominique (2017): „Journalistische Rezensionen: Entstehung einer Textsorte durch Interferenzen?“ In: Colin, Nicole/Farges, Patrick/Taubert, Fritz (Hrsg.): Annäherung durch Konflikt: Mittler und Vermittlung. Synchron Verlag, 2017, S. 225-233.
Eckkrammer, Eva Martha/Held, Gudrun (2006): „Textsemiotik – Plädoyer für eine erweiterte Konzeption der Textlinguistik zur Erfassung der multimodalen Textrealität“. In: Eckkrammer, Eva Martha/Held, Gudrun (Hrsg.): Textsemiotik. Studien zu multimodalen Texten. Frankfurt am Main: Lang (Sprache im Kontext; 23), S. 1-9.
Gruber, Teresa/Grübl, Klaus/Scharinger, Thomas (Hrsg.) (2021): Was bleibt von kommunikativer Nähe und Distanz? Mediale und konzeptionelle Aspekte sprachlicher Variation (ScriptOralia; 144). Tübingen: Narr.
Hauser, Stefan/Luginbühl, Martin (2015): „Hybridisierung und Ausdifferenzierung – Einführende begriffliche und theoretische Anmerkungen“. In: dies. (Hrsg.): Hybridisierung und Ausdifferenzierung. Kontrastive Perspektiven linguistischer Medienanalyse. Frankfurt am Main: Lang, S. 7-25.
Jucker, Andreas/Dürscheid, Christa (2012): „The Linguistics of Keyboard-to-screen Communication. A New Terminological Framework“. In: Linguistik Online 56, 6, S. 39-64.
Kluge, Bettina/Mihatsch, Wiltrud/Schaller, Birte (Hrsg.) (2020): Kommunikationsdynamiken zwischen Mündlichkeit und Schriftlichkeit. Festschrift für Barbara Job zum 60. Geburtstag (ScriptOralia; 145). Tübingen: Narr.
Rentel, Nadine/Schröder, Tilman (Hrsg.) (2018): Sprache und digitale Medien. Frankfurt am Main: Peter Lang (Studien zur Translation und Interkulturellen Kommunikation in der Romania; 4).
Rentel, Nadine/Reutner, Ursula/Schröpf, Ramona (Hrsg.) (2014): Lingüística mediática y traducción audiovisual. Estudios comparativos español-alemán. Frankfurt am Main: Peter Lang (Studien zur Translation und Interkulturellen Kommunikation in der Romania; 2).
Stöckl, Hartmut (2004): Die Sprache im Bild – das Bild in der Sprache. Zur Verknüpfung von Sprache und Bild im massenmedialen Text; Konzepte, Theorien, Analysemethoden. Berlin: de Gruyter (Linguistik: Impulse und Tendenzen; 3).
Storrer, Angelika (2008): „Hypertextlinguistik“. In: Janich, Nina (Hrsg.): Textlinguistik. 15 Einführungen. Tübingen: Narr (Narr Studienbücher), S. 315-331.
Yus, Francisco (2011): Cyberpragmatics. Internet-mediated communication in context. Amsterdam: John Benjamins.
Wir bieten:
Schwerbehinderte Menschen werden bei gleicher Eignung bevorzugt eingestellt. Ein entsprechender Nachweis ist der Bewerbung beizufügen. Die Westsächsische Hochschule Zwickau strebt die Erhöhung des Anteils von Frauen an. Qualifizierte Bewerberinnen sind deshalb ausdrücklich aufgefordert, sich zu bewerben.
Telefonische Auskünfte zum Aufgabengebiet können in der Fakultät Angewandte Sprachen und Interkulturelle Kommunikation bei Frau Bach (Tel.: 0375/ 536 3562) und für organisatorische Fragen im Dezernat für Personalangelegenheiten unter der Telefon–Nr.: 0375/536 1172 eingeholt werden.
Finden Sie sich in dieser Tätigkeit wieder? Dann senden Sie bitte Ihre Bewerbung unter Angabe der Kenn–Nr. bis zum 15.06.2022 per E–Mail an:
Die Westsächsische Hochschule Zwickau bildet rund 4.000 Studierende in acht Fakultäten aus. Als „Hoch- schule für Mobilität“ entwickeln wir mit unserer disziplinären und kulturellen Vielfalt Lösungen für die Zukunfts- fragen des Megatrends Mobilität und liefern substanzielle Beiträge zur Lösung gesellschaftlicher und ökono- mischer Herausforderungen. Das Zusammenwirken zwischen Mensch und Technik ist dabei der Kristallisati- onskern unseres interdisziplinären Wirkens. Dem Credo “innovation meets tradition“ folgend, wird der ange- wandten Forschung und angewandten Kunst eine hohe Bedeutung beigemessen, was regelmäßig zu Spitzenplätzen sowohl bei Studienrankings, als auch bei der Drittmittelquote führt. Die Automobil- und Robert- Schumann-Stadt Zwickau, das Erzgebirge und der Freistaat Sachsen bilden für die Hochschulmitarbeiter*innen ein attraktives Arbeits- und Lebensumfeld.
An der Fakultät Angewandte Sprachen und Interkulturelle Kommunikation ist zum nächstmöglichen Zeitpunkt folgende Stelle (m/w/d) unbefristet zu besetzen:
W2, Teilzeit 50 %, Kenn-Nr. Zw SP 195b.
Die Professur verbindet Deutsch als Fremd- und Fachsprache mit interkultureller und multilingualer Wirtschaftskommunikation, angewandter Mehrsprachigkeit und kontrastiver Linguistik. Sie übernehmen und verantworten im Rahmen der bestehenden und zu entwickelnden Studiengänge an der Fakultät Lehr- und Forschungsaktivitäten auf den oben genannten Gebieten nach Bedarf, insbesondere im Bereich Wirtschaftsdeutsch, Wirtschafts- und Fachkommunikation, Deutsch als Wissenschaftssprache sowie kontrastive Linguistik. Sie sind bereit, Lehraufgaben auch in fachlich artverwandten Gebieten, insbesondere in den Grundlagenfächern der Linguistik, der an der Fakultät gelehrten Sprachen und in Weiterbildungsangeboten der Hochschule zu übernehmen. Sie sind bereit und in der Lage, die Lehrveranstaltungen auf Deutsch und Englisch bzw. einer weiteren Fremdsprache unter souveräner Anwendung moderner, digitaler Ausbildungsmethoden durchzuführen.
Die Professur leistet einen entscheidenden Beitrag zur Internationalisierung der Hochschule. In der Verantwortung der Professur liegt daher die nachhaltige internationale Vernetzung der Lehre und Forschung mit Partnerhochschulen, die fachlich-inhaltliche Organisation und Betreuung von Kooperationen mit internationalen Part-nerinstitutionen der Fakultät (z.B. zur Entwicklung von Doppelabschlussprogrammen) sowie die Vernetzung mit Unternehmen in der Region durch die Organisation von Praktika für die internationalen Studierenden. Eine enge Zusammenarbeit mit anderen Fakultäten und dem International Office wird erwartet.
Die Weiterentwicklung der Studiengänge (Organisation, inhaltlich-didaktische Konzeption, Lehr- und Lernmaterialien sowohl analog als auch digital) sowie die Betreuung der Studierenden (z. B. im Rahmen von Projekt- und Abschlussarbeiten bzw. Praktika) zählen ebenso zu Ihren Tätigkeiten.
Neben der Lehre zeichnen Sie sich durch starke Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten aus, die durch internationale Publikationstätigkeit, das Einwerben von Projektdrittmitteln und internationale Projekte dokumentiert sind. Sie verfügen über sehr gute Erfahrungen in der Gremienarbeit, engagieren sich aktiv in der akademischen Selbstverwaltung und fördern die interdisziplinäre Zusammenarbeit in Lehre und Forschung zwischen den Fakultäten.
Gewünscht sind einschlägige wissenschaftliche Erfahrungen auf folgenden Gebieten:
Neben den allgemeinen dienstrechtlichen Voraussetzungen sollten folgende Einstellungsvoraussetzungen unter Berücksichtigung des § 58 SächsHSFG bei Ihnen gegeben sein:
Wir suchen eine Persönlichkeit, die durch entsprechende praktische und wissenschaftliche Tätigkeiten die praxisorientierte Lehre und die angewandte Forschung an der Fakultät und in den Profillinien der Hochschule weiter ausbauen möchte. Erfahrungen bei der Einwerbung von Drittmitteln und Betreuung von Forschungsprojekten sind vorteilhaft. Für die zunehmende Internationalisierung der Hochschule verfügen Sie über die notwendige Fremdsprachenkompetenz in Wort und Schrift. Auslandserfahrungen sind erwünscht.
Als zertifizierte „Familiengerechte Hochschule“ entwickeln wir entsprechend angepasste Arbeits- und Studien- bedingungen. Wir legen Wert auf Ihre Weiterentwicklung und eine ausgeglichene Work-Life-Balance. Zudem messen wir der Betreuung der Studierenden und der Einbindung der Hochschule in die Region einen hohen Stellenwert zu. Deshalb ist eine hohe Präsenz der Lehrenden an der Westsächsischen Hochschule erforder- lich. Entsprechend wünschen wir, dass Ihr Lebensmittelpunkt in der Region liegt.
Schwerbehinderte werden bei gleichwertiger Eignung, Befähigung und fachlicher Leistung bevorzugt berücksichtigt. Die Westsächsische Hochschule Zwickau strebt die Erhöhung des Anteils von Frauen in Lehre und Forschung an. Qualifizierte Wissenschaftlerinnen sind deshalb ausdrücklich aufgefordert, sich zu bewerben.
Wir freuen uns auf Ihre aussagekräftigen Bewerbungsunterlagen (Motivationsschreiben, Lebenslauf, wissenschaftlicher Werdegang, relevante Zeugnisse und Qualifikationsnachweise, Liste der Lehrveranstaltungen, Ergebnisse von Lehrevaluationen, Publikationstätigkeit, Überblick Vortragstätigkeit, Liste der eingeworbenen Drittmittel) sowie über Ihre Vorstellungen zum zukünftigen Engagement im Bereich der Lehre und der angewandten Forschung (Kurzkonzept, jeweils 1 bis 2 Seiten).
Bitte senden Sie diese unter Angabe der Kenn-Nr. Zw SP195b bis zum 24.02.2022 an die:
Westsächsische Hochschule Zwickau
Rektorbüro
Kornmarkt 1
D-08056 Zwickau
oder per E-Mail (im pdf-Format) an: bewerbung.professur@fh-zwickau.de
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Fakultät Angewandte Sprachen und Interkulturelle Kommunikation Tel.: +49 (0) 375 536 3562
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